5 Fragen an Frieda Fiedler

Frieda freut sich auf die Sorglosigkeit, einfach mal wieder tanzen zu gehen.

1. Corona und Entschleunigung: wie passt das für Dich zusammen?

Ein entschleunigtes Leben zu führen, bedeutet ja, dass man die Entscheidung, dieses oder jenes einfach mal ausfallen zu lassen, selbst trifft. Und das, was wir gerade erleben, ist mehr ein Not-Halt, als eine Entschleunigung. Trotzdem muss ich sagen, dass mir der erzwungene Stopp vielleicht auch geholfen hat, zu sehen, was wirklich wichtig ist und was man nicht so vermisst.

2. Wie erlebst Du beruflich den Lockdown?

Als Studentin bin ich nicht beruflich, aber in meinem Alltag an der Universität davon betroffen. Diese Woche fängt das Semester wieder an: komplett online. Das ist schon sehr merkwürdig, vor allem weil niemand richtig darauf vorbereitet ist. Jetzt fällt mir auf, wie sehr ich die Kommilitonen, die Atmosphäre im Seminar oder den freien Zugang zu Büchern in der Universitätsbibliothek vermisse. Auch als Stadträtin ist es seltsam, dass man an Themen in Sitzungen nicht weiterarbeiten kann – weder Fraktions- noch Gemeinderatssitzungen finden statt. Mit dem Vorstand und innerhalb der Fraktion kommunizieren wir jetzt über Video- oder Telefonschalten. Das kann aber nicht das persönliche Gespräch ersetzen.

Trotzdem sind das alles wirklich Peanuts, wenn ich an all jene in Kurzarbeit denke oder an die Menschen, die um ihre Existenz bangen! Diese Leute sollten wir jetzt, wo immer es auch geht, unterstützen.

3. Wie erlebst du privat den Lockdown?

Keinen Kontakt zu Großeltern, Freunden und keine Café- oder Clubbesuche. Ich habe die Bilder aus Italien gesehen und will natürlich verhindern, dass so eine Situation bei uns auch eintritt. Aber je länger die Situation so anhält, desto schwieriger fällt mir das Social Distancing. Andererseits gibt es Jitsi, FaceTime oder Zoom. Ich telefoniere viel mit Freund*innen über diese Anbieter und habe festgestellt, dass generell mehr telefoniert wird. Das finde ich schön. Warum nicht auch in Zukunft skypen statt nur auf WhatsApp zu chatten? Und eine andere lustige Facette an Corona: die Corona-Memes. Ich bekomme täglich lustige Fotos geschickt und freue mich darüber. Man ist so auf einmal mit Menschen in Kontakt, die man vorher nicht so gut kannte. Außerdem habe ich eine super Wander-App (Komoot) entdeckt, mit der ich jetzt den Wald erkunde. Diese Freiheit, auch wenn ich sie gerade nicht teilen kann (außer über Instagram), gibt mit einen guten Ausgleich zum Zuhause-Sein.

4. Kontaktsperre über Ostern… ganz schön hart. Wie war es für Dich?

Ostern ist bei uns ein Familientreffen. Dieses Mal fand es ohne die Großeltern statt und das war traurig. Auf der anderen Seite ist ja genau diese Distanz jetzt lebensrettend für Menschen in der Risikogruppe. Aber durch diese Trennung hat es sich nicht wirklich angefühlt wie ein Feiertag.

5. Was machst Du als Erstes, wenn die Anti-Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben sind?

Wenn alle Maßnahmen aufgehoben sind werde ich auf jeden Fall feiern gehen. Je länger die Einschränkungen währen, desto mehr Lust habe ich darauf, einfach mal ganz sorglos was trinken zu gehen und zu tanzen. Ohne irgendwie darüber nachzudenken, ob ich jetzt 2 Meter Abstand halte oder mir ins Gesicht gefasst habe. Auf diese Sorglosigkeit freue ich mich total. Aber, ehrlich gesagt, wird es wahrscheinlich auch noch nach dem Aufheben eine Weile dauern, bis ich ohne an den Virus zu denken jemandem die Hand schütteln kann.

Susanne Michl

Susanne Michl

Senior-Praktikantin

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