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5 Fragen an Mareike Merseburger

1. Corona und Entschleunigung: wie passt das für Dich zusammen?

Corona verursacht gerade bei vielen Menschen Unsicherheit, große wirtschaftliche Sorgen, Isolation, Überforderung und teilweise einfach auch Angst. Eine tiefes in die Psyche gehendes Gefühl der Entschleunigung ist das dann oft nicht. Natürlich sind Einige, auch ich, nicht mehr so im Alltag „getaktet“ zwischen verschiedenen Termine, haben gefühlt mehr Zeit, aber dies ist dann für mich eher ein oberflächliche Entschleunigung. Man darf auch die vielen Berufsgruppen nicht vergessen, für die Corona alles andere als eine Entschleunigung bringt! Deshalb passt Corona und Entschleunigung für mich nur bedingt zusammen.

2. Wie erlebst Du beruflich den Lockdown?

Die Schulschließungen kamen zwar nicht komplett überraschend, aber doch sehr schnell. Wir hatten eigentlich keine Zeit uns richtig von den Schülern zu verabschieden und sie auf diese Zeit vorzubereiten.
Ich vermisse das Schulleben mit all seinen Facetten und besonders meine Schüler! Wenn überhaupt kann ich nur über Email mit ihnen Kontakt halten, wobei dies bei Grundschülern auch eher schwer ist. Ich weiß, dass auch viele Kinder die Schule, ihre Freunde, das geregelte Lernumfeld und einen strukturierten Alltag vermissen bzw. dringend brauchen. Ich habe manchmal das Gefühl als Lehrerin in dieser Zeit nicht so unterstützen zu können, wie ich es gerne würde. Wir haben im Lehrplan kaum Spielräume und so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Kindern wöchentlich noch mehr Aufgaben zu schicken. Das tut mir oft sehr leid, denn ich bin ja auch zweifache Mutter und sehe, das diese Zeit auch an unseren Kindern nicht ganz spurlos vorbei geht! An den Eltern, die plötzlich das Homeschooling übernehmen müssen, übrigens auch nicht 😜 . Ich bin an unserer Schule teilweise in der Notbetreuung eingesetzt. An unserer kleinen Schule haben wir gerade nur wenige Kinder zu betreuen. Es ist schon ein sehr komisches Gefühl in ein fast leeres Schulhaus zu kommen, in dem sonst ein wohltuender Trubel herrscht. Besonders schwer fällt es mir Abstand zu den Kindern zu halten. Natürlich halte ich mich strikt an die Vorgaben, aber leicht ist dies nicht!

3. Wie erlebst du privat den Lockdown?

Unser Alltagsleben hat sich komplett verändert. Die Schule und die Kita sind geschlossen, mein Mann arbeitet vollzeit im Homeoffice, alle sonstigen Freizeitaktivitäten sind heruntergefahren. Ich hätte vorher nicht gedacht, welche organisatorischen Herausforderungen das im häuslichen Umfeld mit sich bringt. Manchmal fühlt man sich schon etwas in das Rollenklischee der 50’er katapultiert…….Kinderbetreuung, Kinder beschulen, putzen, kochen, einkaufen, aufräumen, Kinder bespaßen als Tagesaufgabe. Natürlich ist das jetzt etwas übertrieben dargestellt, aber es ist schon eine deutliche Veränderung. Ich weiß, dass es uns dabei noch sehr gut geht und es für viele Menschen zur Zeit viel schwieriger ist, deshalb gehe ich z.B. für andere Einkaufen oder nähe für eine Krankenpflegerin Masken. Normalerweise bin ich viel unterwegs, bin sehr gesellig und habe viele Termine, dies ist doch eine Veränderung. Wobei ich es doch auch wirklich genieße mit meiner Familie mehr Zeit zu haben. Gemeinsam haben wir z.B. das Geocaching für uns entdeckt und streifen viel durch die Wälder. Wir versuchen die positiven Seiten einfach zu nutzen und zu genießen, vermissen aber trotzdem unseren Alltag, unsere Freunde und den Rest der Familie sehr!

4. Kontaktsperre über Ostern… ganz schön hart. Wie war es für Dich?

Die Kontaktsperre ist allgemein hart! Wie schon erwähnt bin ich ein sehr geselliger und familiärer Mensch. Ich vermisse viele liebe Menschen in meinem Umfeld und mir tut es weh zu sehen wie sehr meine Kinder ihre Freunde und den Rest der Familie (und umgekehrt) vermissen. Die Abwägung zwischen psychischer Gesundheit und den potentiellen Gefahren einer Ansteckung hat uns dazu gebracht weiterhin im häuslichen Umfeld, unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen, Kontakt zu einem sehr sehr kleinen Kreis an Menschen (meine alleinstehende Mutter und unser Patenkind) zu haben.
Ich versuche aber auch hier das Positive zu sehen. Nie hätte ich gedacht, dass man auch sehr viel Spaß bei virtuellen Partys haben kann und auch das Telefon bekommt wieder einen höheren Stellenwert. Man merkt wieviele Menschen einem persönlich wichtig sind indem man sie vermisst und wenn man merkt dies beruht auf Gegenseitigkeit ist dies ja auch ein schönes Gefühl!

5. Was machst Du als Erstes, wenn die Anti-Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben sind?

Ich bleibe wahrscheinlich noch eine ganze Zeit vorsichtig, lade dann aber wohl meine Familie und Freunde zu einer Grillparty ein! Die Vorfreude ist jetzt schon da! 🙂

Senior-Praktikantin

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