Die Mutter des Marktplatzes

Carmen Hau war 40 Jahre lang Sprecherin der IG Marktplatz – Gerald Haas und André Salazar setzen ihre Arbeit fort

Über den Weinheimer Marktplatz sagt man wegen seines mediterranen Flairs, er sei der „nördlichste Italiens“. Der Platz ist das pulsierende Herz der Zweiburgenstadt, weit über die Region hinaus bekannt, auch wegen seiner kulinarischen Vielfalt: Italiener, Spanier, Franzosen, echte Kurpfälzer, gehobene und rustikal-bürgerliche Küche, es ist Europa im Taschenformat.

Eine Frau hat diesen Weinheimer Marktplatz in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt und immer wieder geeint: Carmen Hau, lange Jahre Wirtin und Köchin des Gasthauses „Diebsloch“ und ebenso lange die Sprecherin der IG Marktplatz, die sich schon Anfang der 80er-Jahre gegründet hat. Damals hatte die Stadt im Zuge einer großen Altstadtsanierung den Platz mit den alten Fachwerkhäusern, dem Brunnen und dem Alten Rathaus zum Wohlfühlort hergerichtet, in Terrassen angelegt und gepflastert, japanische Schnurbäume gepflanzt; seither liegt er im Stil einer italienischen Piazza zwischen der aufragenden St. Laurentiuskirche und dem historischen Gerberbachviertel.

In dieser Anfangszeit gehörte Carmen Hau mit ihrem Mann Hans-Peter zu den ersten, die dabei waren. Ebenso wie Alberto Ferrarese in seiner „La Cantina“, die gegenüber des „Diebsloch“ liegt. Carmen Hau stammt aus einer Odenwälder Wirtsfamilie, hatte dann Sozialwissenschaften studiert, und übernahm dann – statt einer wissenschaftlichen Tätigkeit – mit ihrem Mann das „Diebsloch“, das zur Kultkneipe wurde. Ihre hausgemachten Frikadellen oder auch die Maultaschen waren legendär.

Ihr war früh klar, dass die Gastronomen und Einzelhändler am Marktplatz mit einer Stimme sprechen und gemeinsame Stärken suchen sollten. Sie sammelte noch einige kreative Leute zusammen, wie den damaligen Weinheimer Stadtplaner Manfred Müller-Jehle, und gründete die IG Marktplatz.

In diesen Jahrzehnten hat der Weinheimer Marktplatz seinen guten Ruf hinaus in die Region ausgebaut. Carmen Hau war auch kreative Ideengeberin bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder dem Straßenfasching. Einerseits war sie eine fürsorgende „Mutter“ der Kompanie, andererseits auch eine Autorität.

Jetzt nach 40 Jahren sind die Herausforderungen für die Gastronomen zwar nicht geringer geworden. Carmen Hau spricht davon, dass Corona den Wirten die „bislang zwei schwersten Jahre überhaupt“ beschert habe. Aber es war dennoch an der Zeit, das Amt der Marktplatz-Sprecherin – wie schon vor ein paar Jahren den Platz in der Diebsloch-Küche – in jüngere Hände der nächsten Generation zu geben. Sie tat dies Anfang der Woche mit einem guten Gefühl, weil ihr Schwiegersohn Gerald Haas, der neue Diebsloch-Wirt, ihr Nachfolger ist, stellvertreten durch André Salazar vom Café Florian.

Dessen Bruder Juan Salazar, der Carmen Haus Stellvertreter war, bedankte sich bei Carmen Hau im Namen der Marktplatzwirte, ebenso wie Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just, der betonte, dass das Miteinander der Stadt mit der IG Marktplatz immer konstruktiv sei – auch daran habe Carmen Hau ihren Verdienst. Nun hat die „Mutter“ des Marktplatzes mehr Zeit für morgendliche Walking-Runden im Exotenwald und für ihr Enkeltöchterchen.

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