Eine Ehre – das Ehrenamt

Bella engagiert sich. (c)NANNI
Bella engagiert sich.

Bella engagiert sich. (c)NANNI

Wenn ein Begriff Abnutzungserscheinungen zeigen könnte, dann wäre sicher das Wort „Ehrenamt“ schon ganz abgegriffen, mit Eselsohren, eingerissen und verbeult. Kaum ein Begriff wurde im letzten Jahr so strapaziert. Aber wie sieht es denn mit den Menschen aus, die dieses Amt mit Leben füllen?

Unter Ehrenamt versteht Wikipedia „altruistisches Handeln, bei dem eine Einzelperson oder eine Gruppe freiwillig und unentgeltlich Arbeit leistet.“ Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit und Rücksicht zeichnen das Ehrenamt aus.

Ich treffe mich mit Bella Kapper, die sich in der Flüchtlingshilfe in Weinheim engagiert.

InWeinheim: Wie findest Du mit zwei kleinen Kindern Zeit, Dich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren?

Bella: Das ist nur möglich, weil ich momentan in Elternzeit bin. So kann ich mit meiner Zeit ein bisschen jonglieren. Ich war bei der Belegung des GUPS-Hotels dabei und habe den Aufbau des Standort-Teams im Diesbach Druckhaus organisiert. Als letztes kam jetzt die Stettiner Straße mit den Wohncontainern dazu.

InWeinheim: Das wurde alles ehrenamtlich geleistet?

Bella: Wir haben in der Stettiner Straße mit vier privaten Laptops die komplette Registrierung durchgeführt.

InWeinheim: Das ist eigentlich doch Sache des Rhein-Neckar-Kreises, bwz. der Stadt Weinheim.

Bella: Das stimmt, das ist es! Es wird immer von ‚Krisenmodus‘ gesprochen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die einzigen, die das Arbeitspensum erhöht haben, die Ehrenamtlichen sind. Es ist schon unglaublich, was die Weinheimer hier leisten.

InWeinheim: Wenn ich das richtig verstehe, geht ohne Ehrenamt nichts!

Bella: Genauso geht aber nichts ohne die Stabsstelle Flüchtlingshilfe und Integrationsmanagement, die extra von der Stadt Weinheim geschaffen wurde. Dort laufen die Fäden zusammen. Denn trotz allen Engagements, das nicht mehr wegzudenken ist, sind Strukturen für die Zukunft elementar. Die Online-Plattform Weinheim hilft ist eine große Hilfe beim Organisieren und Koordinieren von ehrenamtlicher Arbeit. Und auch der Arbeitskreis AK- Asyl, ist ein ganz wichtiger Partner in der Flüchtlingsarbeit. Dort engagieren sich Menschen schon seit über dreißig Jahren für in Weinheim lebende Flüchtlinge. Für mich ist der AK-Asyl geballte Kompetenz gepaart mit Weitsicht.

InWeinheim: Du selbst möchtest Dich in Zukunft auch mehr beim AK-Asyl einbringen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Bella: Zum einen habe ich gemerkt, wie schnell dich das Ehrenamt ‚auffressen‘ kann. Es liegt an dir, das Maß des Einsatzes festzulegen. Ich bestimme, wieviel und wie oft ich helfen kann und will. Irgendwann hatte ich auf meinem Handy 43 Anrufe in Abwesenheit, und auch SMSs mit Texten wie: „Dann geh‘ doch zu den Negern ins Druckhaus!“. Die Anfangseuphorie ist schon ein bisschen der harten Realität gewichen. Wichtig sind für mich die Patenschaften, die ich für verschiedene Familien übernommen habe und der direkte Kontakt zu den Flüchtlingen. Und als die Elfi Rentrop vom Gründungsvorstand des AK-Asyl kennengelernt habe, war ich wirklich beeindruckt von ihrer herausragenden Persönlichkeit. Mit ihr möchte ich in Zukunft mehr zusammenarbeiten, um den AK-Asyl in der Vernetzung mit neuen Medien zu unterstützen. Wir alle werden von diesem unschätzbaren Wissen profitieren.

Und wenn ich mir die temperamentvolle, engagierte Frau so anschaue, merke ich – einmal Ehrenamt, immer Ehrenamt!

Susanne Michl

Susanne Michl

Senior-Praktikantin

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