„Ihre Spuren werden bleiben“

Bürgermedaillen-Trägerin Christine Münch verlässt Weinheim aus persönlichen Gründen – Würdigung vom Rathaus und aus der Politik

Weinheim. Wenn in dieser Woche der Möbelwagen im Ligusterhaag in der Weinheimer Weststadt vorfährt, um die Möbel von Christine Münch zu verladen, dann sind in den Kartons viele Erinnerungen an die Weinheimer Zeit der gebürtigen Nürnbergerin verpackt: Diese Erinnerungen zeugen von einem fast schon unglaublichen bürgerschaftlichem Engagement in der Wahlheimat. Ob Seniorenhilfe, Mehrgenerationenhaus, Kinderbetreuung, Flüchtlingsarbeit, bei der Suchtberatung, dem Tauschring, der Nachbarschaftshilfe, dem Kinderschutzbund, bei den Naturfreunden, der Verkehrswacht, der Sozialen Vielfalt, ob mit einem offenen Bücherregal oder beim „Food-Sharing“, beim Krempel- oder Kreativmarkt, bei Selbsthilfegruppen – die Liste ist lang. Schon 2018 wurde ihr für ihr ehrenamtliches Engagement die Bürgermedaille verliehen. Weinheims damaliger Oberbürgermeister Heiner Bernhard resignierte bei der Verleihung augenzwinkernd: „Sie ist eine Frau mit einer solchen Vielzahl und einer derartigen Bandbreite an ehrenamtlichen Initiativen, Engagements und Ämtern, dass wir – selbst wenn wir die Zeit dazu hätten – wohl keine vollständige Auflistung zu Stande bringen könnten.“

Christine Münch denkt immer erst an andere, dann an sich selbst. Ihr Markenzeichen war und ist das Helfen ohne viele Worte, bisweilen unkonventionell und stets unbürokratisch. Im Rathaus-Amt für Soziales, Jugend, Familie und Senioren war sie als Seniorenlotsin, Mitglied am Runden Tisch Demografie, dem Mehrgenerationenhaus und in anderen Netzwerken eine derart wertvolle ehrenamtliche Unterstützung, dass ihr Weggang jetzt eine Lücke reißt, die nicht so schnell und nicht ohne Weiteres zu schließen sein wird.

Aus persönlichen Gründen zieht Christine Münch jetzt nach über 30 Jahren aus Weinheim nach Singen, ganz im Süden Baden-Württembergs, um Kindern und Enkelkindern näher zu sein.
In den Tagen ihres Abschieds erfuhr sie nochmals verdientermaßen viel Wertschätzung aus der Stadtgesellschaft, der sie im wahrsten Sinne des Wortes Jahrzehnte lang gedient hat – die meisten „Begegnungen“ fanden wegen Corona allerdings schriftlich statt. „Für jedes Problem, das an Sie herangetragen wurde, suchten Sie eine schnelle und unkomplizierte Lösung. Sie verstanden es immer wieder aufs Neue, andere Menschen zu motivieren und zusammen zu bringen“, bescheinigte Oberbürgermeister Manuel Just in einem persönlichen Brief zum Wegzug. Er bedankte sich „auch im Namen des Gemeinderates und der ganzen Stadtgesellschaft“ und bedauerte: „Wir werden Sie in Weinheim vermissen, Ihre Spuren werden bleiben.“

Stadträtin und OB-Stellvertreterin Elisabeth Kramer, die in etlichen Projekten an Christine Münchs Seite gewirkt hat, betonte die besonderen Fähigkeiten Münchs als Netzwerkerin. Zum Abschied überbrachte sie die Grüße des Gemeinderates, dem Christine Münch ebenfalls eine Zeit lang angehörte.

Albrecht Lohrbächer vom Arbeitskreis Asyl bescheinigte: „Christine Münch war eine sehr eigenständige Helferin für Geflüchtete. Sie hat nie lange gefragt, hat einfach zugepackt, weitere Unterstützung gesucht und gefunden. Ihre Netzwerksarbeit war einfach phänomenal.“ Heinz Schröder, langjähriger Vorsitzender der Suchberatung und Gründer der „Sozialen Vielfalt“, betonte: „Ich kann mir Weinheim gar nicht vorstellen ohne Christine Münch.“

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