„Lüften bleibt der beste Schutz“

Cute little girl with backpack wearing surgical face mask for coronavirus
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Stadt Weinheim will mobile Luftreinigungsgeräte in Schulen und KiTas dort einsetzen, wo sie sinnvoll sind – Im Dialog mit dem GEB

Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind sie „nicht das Ei des Kolumbus“ und seine Kultusministerin Theresa Schopper hat mobile Luftreinigungsgeräte in Klassenzimmern wegen ihrer Lautstärke schon mit einem Kleinflugzeug verglichen. Fachleute des Umweltbundesamtes warnen regelmäßig davor, in solchen mobilen Geräten ein Allheilmittel gegen die Verbreitung von Viren zu sehen – und auf diese Linie befindet sich – mit vielen Kommunen und Wissenschaftlern – auch die Stadt Weinheim. Das hat auch Weinheims Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner bekräftigt, nachdem der Einsatz von mobilen Luftfilteranlagen in Klassenzimmern auch ein Thema der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik Umwelt und Stadtentwicklung war. Fetzner wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten nicht das natürliche Lüften der Klassenzimmer ersetzen kann.

In der Sitzung hatte Fetzner bestätigt, dass sich die Fachämter der Stadt über die beste Raumluft an den Schulen und in den kommunalen KiTas schon seit Monaten mit den Verantwortlichen vor Ort austauschen, um jeweils die bestmögliche Lösung zu entwickeln. Das Amt für Bildung und Sport hat bereits im November 2020 bei den Schulleitungen abgefragt, wo der Einsatz von Luftfiltern als sinnvoll angesehen wird. An einigen Schulen wurde auch schon gehandelt.

Die Stadt plant weitere Maßnahmen zum Beginn des neuen Schuljahres, etwa ein flächendeckendes Testangebot und die Verteilung kostenloser FFP-2-Masken, dies auch mithilfe von Unterstützung der Weinheimer Wirtschaft.

„Wir leisten als Schulträger alles was wir können, dass nach den großen Ferien wieder allen Schülerinnen und Schüler in ihren Schulen Unterricht erteilt werden kann“, so bekräftigte auch Oberbürgermeister Manuel Just.

Er verwies darauf, dass man sich im Rathaus differenziert mit dem Thema beschäftigt. Heißt: Mobile Luftfilteranlagen werden dort eingesetzt, wo sie auch wirklich gebraucht werden. Darüber haben sich OB Just und Bildungsamtsleiterin Carmen Harmand am Montag auch mit dem Gesamtelternbeirat ausgetauscht. Die Elternvertreterinnen erklärten, dass sie die aktuellen Maßnahmen als einen ersten Schritt in die richtige Richtung einschätzen. Vereinbart wurde auch, dass Schulträger und Gesamtelternbeirat beim Thema Raumluft weiter zusammenarbeiten. Zum Beispiel bei der Beobachtung des Marktes für mobile Luftfilteranlagen und gegebenenfalls einer neuen Bewertung des Einsatzes dieser Geräte. Hierbei soll in Zukunft auch der Gesamtelternbeirat KiTas involviert werden. Anfang des nächsten Schuljahres soll es auch eine breit angelegte Information der Eltern geben.

Das Amt für Immobilienwirtschaft und das Amt für Bildung und Sport arbeiten seit Wochen an einer Kategorisierung der Klassenzimmer und KiTa-Räume, um zu dokumentieren, wo keine optimalen Lüftungsmöglichkeiten gegeben sind. Dabei wurde bestätigt: In den allermeisten Klassenzimmern und Kita-Räumen sind Fenster an die frische Luft zu öffnen. Experten seien sich einig, dass diese Art des Lüftens wegen des Luftaustauschs die beste Lösung sei, betont der OB. Auch das Bundesumweltamt betone stets, dass ein mobiler Luftreiniger ein solches Lüften höchstens ergänzen könne. Unsachgemäß in Betrieb genommen, könnten diese Geräte sogar kontraproduktiv sein. Bisherige Nutzer haben unter anderem eine störende Zugluft im Umfeld der Geräte und einen hohen Schalldruckpegel im Raum kritisiert.

Bei unzureichender Wartung und beispielsweise einer Nachlässigkeit beim Filtertausch könne es passieren, dass sich der Effekt deutlich reduziert oder gar ins Gegenteil verkehrt. „Es ist gefährlich, wenn man sich dann in Sicherheit wähnt und auf das Lüften verzichtet“, warnt Fetzner. Man höre immer wieder Erfahrungen von Schulen, die wegen der Geräuschentwicklung die mobilen Geräte, die im Klassenraum stehen, nicht oder zu wenig einsetzen. Von anderen technischen Methoden wie UV-C-Licht oder Plasmatechnologien rät das Umweltbundesamt wegen unerforschter weiterer Risiken sogar ganz ab. „Die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen ist uns sehr wichtig, da darf es auch nicht ums Geld gehen“, betonte Fetzner, „aber wir fürchten, dass eine trügerische Sicherheit mit mobilen Geräten eher die Gesundheit aufs Spiel setzt“.

Dazu komme – bei fraglichem Nutzen – auch der hohe Energieverbrauch, der an den Schulen mit mobilen Geräten deutlich nach oben gehen würde. „Ist das dann pädagogisch sinnvoll, wenn wir in Zeiten des Klimawandels Strom verbrauchen, wo Fenster öffnen doch die bessere Lösung ist?“, fragt sich der Bürgermeister.

Die Stadt setzt darauf, die vorhandenen zentralen Lüftungsanlagen in den Schulen zu überprüfen, um sie dann mit Mitteln aus der „Bundesförderung Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von raumlufttechnischen Anlagen in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten“ aufzurüsten. Das entspricht auch der Empfehlung des Umweltbundesamtes. Das Amt für Immobilienwirtschaft hat mit der Überprüfung dieser Anlagen in den beiden großen Schulen – Werner-Heisenberg-Gymnasium und Dietrich Bonhoeffer-Schule – schon begonnen, wie Amtsleiterin Cornelia Lauinger bestätigte. Die Ertüchtigung dieser Anlagen sei die nachhaltige und wirklich gesundheitsfördernde Lösung. Mittelfristig müssten genau jene Belüftungsanlagen als Standard für alle Schulen das Ziel sein. Dazu müsse man auch Neuinstallationen planen. Das bleibe auch eine zentrale Forderung des Gesamtelternbeirates, bekräftigte GEB-Vorsitzende Stefanie Stiller.

Es sei sinnvoll, so auch Oberbürgermeister Manuel Just, das Geld hierfür einzusetzen statt für kurzfristige aber umstrittene mobile Lösungen. Die Weinheimer Linie richtet sich auch an den Förderprogrammen von Bund und Land aus; auch darin bemisst sich die Förderfähigkeit daran, ob Räume eingeschränkt oder uneingeschränkt lüftbar sind.

Gut haben es die Schülerinnen und Schüler, die nach den großen Ferien in die neue „Zweiburgenschule“ einziehen. Dort gibt es bereits in jedem Klassenzimmer eine Wärmetauschanlage, wie sie jetzt vom Umweltbundesamt als beste Variante vorgeschlagen worden ist. Genau so wurde es auch bei der Sanierung der Hans-Joachim-Gelberg-Grundschule in Lützelsachsen bereits umgesetzt.

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